AMD: Prophylaxe durch Braunalgen?

31. August 2017 | By More

Der Blasentang (Fucus vesiculosus) ist eine in der Ostsee weit verbreitete Braunalge (Foto: Marion Zenthoefer/CRM)

Braunalgen aus der Ostsee enthalten eine Vielzahl bioaktiver Inhaltsstoffe, z.B. Fucoidane. Wie lassen sich diese für die Medizin und Kosmetik der Zukunft nutzen? Diese Frage steht im Zentrum des deutsch-dänischen Projektes „FucoSan – Gesundheit aus dem Meer“ unter der Federführung von Prof. Dr. Alexa Klettner, Laborleiterin in der Klinik für Ophthalmologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, und der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Bereits seit längerem forschen die Ophthalmologen an VEGF-Hemmern, die zur Behandlung der AMD verwendet werden. Durch Zufall entdeckten sie, dass auch Fucoidan in der Lage ist, den VEGF-Gehalt in den Zellen des Auges zu vermindern. Das war der Anlass, die Eigenschaften von Fucoidanen weiter zu untersuchen.

Der Forschungsansatz wird nun als grenzüberschreitendes Projekt von der Europäischen Union mit einer Gesamtsumme von 2,2 Millionen Euro bis Februar 2020 gefördert. Neben der Kieler Uni-Augenklinik haben Dr. Levent Piker von Coastal Research and Management (CRM), einer in Kiel ansässigen Firma, und Prof. Susanne Alban aus dem Pharmazeutischen Institut der CAU dieses Projekt initiiert, an dem noch weitere Partner mitarbeiten. Ziel ist es, aus Braunalgen gewonnene Fucoidane und deren Eigenschaften für eine zukünftige Nutzung in der Medizin und Kosmetik zu untersuchen. Hierzu wird im deutsch-dänischen Projektteam u.a. eine Datenbank etabliert, die eine Vielzahl der aktiven Inhaltsstoffe aus Braunalgen und deren Eigenschaften enthalten soll. Auf dieser Basis wollen die Wissenschaftler aussichtsreiche Inhaltsstoffe auswählen und auf ihre Anwendbarkeit in verschiedenen Bereichen prüfen. Nach der Förderperiode soll eine kommerzielle Nutzung der Erkenntnisse ermöglicht werden.

„Da Fucoidane aus Algen gewonnen werden, können sich die Eigenschaften und Wirkungen unterscheiden, je nachdem, um welche Algenart es sich handelt und wo diese gewachsen ist“, erklärt Klettner. „Daher werden wir verschiedene Algen aus unterschiedlichen Regionen, die zu verschiedenen Zeiten geerntet wurden, untersuchen und charakterisieren – sowohl chemisch als auch biologisch. So können wir später für viele verschiedene Anwendungsgebiete die geeigneten Inhaltsstoffe passgenau identifizieren.“ Die Wirkungen der Fucoidane seien sehr breit gefächert und reichten von antioxidativen Eigenschaften über die Fähigkeit, in die Gefäßbildung einzugreifen, bis zur Möglichkeit, das Immunsystem zu beeinflussen.

Im Rahmen des Projektes soll vor allem eine Nutzung in den Bereichen Augenheilkunde, regenerative Medizin und Kosmetik untersucht und entwickelt werden. In der Augenheilkunde ist die Entwicklung von Medikamenten aus Fucoidanen denkbar, die vorbeugend gegen eine AMD wirken könnten. An der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des UKSH und am Universitätsklinikum Odense in Dänemark werden die mögliche Verwendung von Fucoidanen bei Ansätzen des Tissue Engineerings und Mechanismen der Knochenheilung erforscht. Auch in der Kosmetik könnten die neuen biologischen Inhaltsstoffe zur Anwendung kommen, z.B. gegen Hautalterung.

Quelle: UKSH

 

Category: Medizin

Comments are closed.