Fortgeschrittene AMD: Operativer Ansatz mit Stammzelltherapie

31. August 2017 | By More

Erstmalig schafft eine neue Transplantationstechnik mittels Stammzelltherapie der Netzhaut für viele Patienten mit altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) die Perspektive für eine Heilung, teilt die Augenklinik Sulzbach mit. Die Basis hierzu legt der international renommierte Stammzellforscher PD Dr. Boris V. Stanzel, der seit April 2017 neuer Leiter des Makulazentrums Saar ist. Unter seiner Ägide initiiert die Schwerpunktklinik für Netzhauterkrankungen in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT in Sulzbach eine wegweisende Zelltherapie-Pilotbehandlung bei fortgeschrittener AMD. Die ursächliche Behandlung der AMD rücke damit in greifbare Nähe.

Bisher ist die Intravitreale Operative Medikamenteneingabe (IVOM) das Maß der Dinge in der (feuchten) AMD-Behandlung. Das Einspritzen des Medikaments in den Glaskörper hält aber lediglich den Verlauf der Krankheit auf und behandelt nicht bereits entstandene Schädigungen der Retina. Zudem ist die IVOM-Behandlung nur bei weniger als einem Viertel aller Patienten mit AMD möglich. Patienten mit trockenen Verlaufsformen können damit nicht behandelt werden. Deshalb besteht seit einigen Jahren die Hoffnung, durch eine Transplantation von gesunden Zellen unter die Netzhaut die AMD zu heilen.

Allerdings waren frühere Transplantationsverfahren von körpereigenen Zellen (autolog) mit häufigen Komplikationen verbunden. Genau hierin liegt der Vorteil des neuen Verfahrens: Durch den Zellersatz aus Stammzellprodukten ist erstmals eine ursächliche Behandlung mit Hilfe eines minimal-invasiven operativen Eingriffs möglich. „Wir können bei uns in Sulzbach zukünftig ausgesuchte Patienten in die aktuelle Behandlungsstudie einbeziehen. Damit greifen wir erstmals ursächlich in den Krankheitsfortschritt der AMD ein. Unser Ärzteteam ist jetzt in einer Phase, in der die besondere Stammzell-Expertise einer größeren Anzahl an Patienten zur Verfügung gestellt werden kann. Jedoch bleibt eine Einschränkung: Wir können mit dieser Methode derzeit weder besonders frühe noch besonders späte AMD-Befunde behandeln“, präzisiert Prof. Dr. Peter Szurman, Chefarzt der Augenklinik Sulzbach.

Transplantationsexperte Stanzel erprobte mit Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich, USA, Finnland und Singapur an verschiedenen Modellen eine Methode, wie sich durch AMD zerstörte RPE-Zellen mithilfe von Stammzellprodukten ersetzen lassen. Die Forschergruppe implantierte verschiedene menschliche RPE-Arten aus Stammzellen auf speziellen, hauchdünnen Trägermembranen. Einige dieser Zellen wurden 2014 erstmals in der Wissenschaft für Transplantationszwecke herangezogen und zeigten eine gute Verträglichkeit. Stanzels Forschergruppe hatte hierfür spezielle Transplantationsinstrumente entwickelt und platzierte die retinalen Ersatzzellen dauerhaft unter die Netzhaut. „Die Ergebnisse aus den Experimenten haben bewiesen, dass aus Stammzellen gewonnene retinale Pigmentepithelzellen das Potenzial haben, die durch AMD erkrankten Zellen zu ersetzen“, sagt Stanzel. Seine Methode ermöglicht jetzt die Präzisierung, welche Stammzelllinien unter welchen Bedingungen für Transplantationen unter die Netzhaut geeignet sind.

Quelle Text und Bild: Augenklinik Sulzbach

Category: Medizin

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