Nachwuchs-Forscher entwickeln Hilfsmittel

19. Juli 2017 | By More

Junge Erfinder mit ihren Urkunden – die Erstplazierten der CBM-Bundessonderpreise

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) hat am Anfang Juli 2017 die Sieger der CBM-Bundessonderpreise der Wettbewerbe „Schüler experimentieren“ und „Jugend forscht“ präsentiert. Was hat es auf sich mit dritten Augen für die Oma, einem Navi im Schuh, dem Taststock, mit dem die richtige Straßenbahn erkannt werden kann oder einem treppensteigenden Rollator?

Dritte Augen für die Oma: Anton Lefels (13) Oma sieht mittlerweile so schlecht, dass sie Telefonnummern, Beipackzettel oder eine Zutatenliste nicht mehr lesen kann. Weil alle Familienmitglieder tagsüber entweder bei der Arbeit oder in der Schule sind, kam es oft vor, dass die 89-Jährige bis zum Abend auf Hilfe warten musste. Das Problem: Die alte Dame hat weder ein Smartphone noch einen Internetzugang, kann also nicht einfach ein Foto verschicken, wenn sie wissen will, ob sie eine Hand- oder Schuhcreme vor sich hat. Anton konstruierte ein etwa Aktenordner-großes Gerät, an dem eine Webcam wie eine Leselampe an einem Stativ montiert ist. Ein einzelner Druckknopf aktiviert die Kamera und sendet das entstandene digitale Foto über einen Surfstick in eine Cloud. Gleichzeitig wird eine E-Mail an alle Familienmitglieder geschickt, die den Speicherort des Fotos angibt. So kann jeder, der gerade Zeit hat, das fotografierte Schriftstück lesen, bei der Oma anrufen und den Text vorlesen.

Navi im Schuh: Auch Luis Geissler (14) wurde von seiner Großmutter inspiriert. Er wollte etwas bauen, das sehbehinderten Menschen im Alltag hilft und Hindernisse für sie erkennt. Er konstruierte ein kostengünstiges Navigationssystem, das in den Schuhen installiert ist. Auf der Schuhkappe hat der Schüler kleine Infrarotsensoren installiert, die wie die Rückfahrhilfe beim Auto funktionieren. Die reflektierten Wellen aktivieren den Minicomputer im Fersenbereich der Schuhsohle, der kleine Vibrationsmotoren startet. Luis hat diese Motoren aus einem ausrangierten Handy ausgebaut und so am Schuh angebracht, dass sie unterhalb des Knöchels vibrieren. Aktiviert werden die Schuhe über Kabel, die die Schnürsenkel ersetzen und für den Start zusammengesteckt werden müssen. Aufgeladen werden können die Akkus in der Sohle über einen Schuhschrank, der wie ein Induktionsherd funktioniert.

Mit dem Taststock in die richtige Bahn: Nele Tornow und Fabian Rimmele (beide 18) wollen sehbehinderten Menschen das Bus- und Bahnfahren erleichtern. Die Lösung sollte kostengünstig, kompakt und sinnvoll nutzbar sein. Sie installierten auf einem Bahnsteig vier Mikrofone und eine Kamera. Damit nahmen sie die Geräusche von einfahrenden Bahnen an verschiedenen Stellen des Bahnsteigs auf und verglichen mit der Kamera jeweils die Stellung des Waggons. Mit komplizierten Berechnungen aus dem Geräusch des einfahrenden Zugs und dessen Länge konnten die Jugendlichen die Position einer Waggontür voraussagen. Diese Methode kann in einen handelsüblichen Taststock integriert werden. Dieser wird dafür mit einer kleinen Kamera und einem Vibrationssignal versehen und lotst dann den Sehbehinderten zur Tür der S-Bahn.

Sicher Stufen überwinden mit dem Rollator: Max (14) und Tobias Fleischer (18) haben ein hölzernes Steigrad entwickelt, das so groß wie ein Rollator-Rad ist und die Umrisse der Ziffer Sechs hat. Die Holzscheibe wird mit einem Gestell zwischen die Vorderräder eines Rollators montiert und über eine Fahrradkette mit einem kleinen Motor verbunden. Sobald der Motor über den Schalter am Lenker aktiviert wird, rotiert die Scheibe einmal um ihre Achse und hebt dabei die Vorderräder auf die Höhe des Bordsteins. Weil die Räder dabei gleichzeitig aufkommen und das Steigrad kurzfristig wie eine Stütze wirkt, bleibt der Rollator stabil und kann nicht kippen

Text- und Fotoquelle: CBM

 

Category: Allgemein

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