Mainzer Augenärztin erhält Boehringer-Ingelheim-Preis 2017

6. Juli 2017 | By More

Die beiden Preisträger, PD Dr. Jörg Fahrer (2.v.l.) und PD Dr. Katharina Ponto (3.v.r.) bei der Verleihung des Boehringer-Ingelheim-Preises 2017

Die Boehringer Ingelheim Stiftung zeichnete im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung den Toxikologen PD Dr. Jörg Fahrer und die Augenärztin PD Dr. Katharina Ponto mit dem diesjährigen Boehringer-Ingelheim-Preis aus. Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Preis geht zu gleichen Teilen an die beiden Nachwuchswissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz. Fahrers neue Erkenntnisse helfen, besser zu verstehen, wie Dickdarmkrebs entsteht. Katharina Ponto wertete Daten der Gutenberg-Gesundheitsstudie aus und liefert nun erstmals verlässliche und aussagekräftige Zahlen zu Netzhautveränderungen im sehr frühen Diabetes-Stadium. Ihre Daten legen nahe, dass gezielte Screening-Programme helfen könnten, Netzhautschäden als Folge eines Diabetes zu vermeiden.

Bisher existierten in Europa keine bevölkerungsbezogenen Daten zum Auftreten diabetischer Netzhautveränderungen bei neu – etwa im Rahmen von Screenings oder Studien – festgestelltem Diabetes. Die Arbeit von Katharina Ponto schließt diese Lücke und liefert nun erstmals verlässliche und aussagekräftige Zahlen zu Netzhautveränderungen im sehr frühen Diabetes-Stadium. Dabei konnte die Augenärztin die große Datenbasis der Gutenberg-Gesundheitsstudie zurückgreifen. Sie analysiert den Gesundheitszustand der Bevölkerung in der Rhein-Main-Region, insbesondere deren Herz-Kreislauf-Gesundheit. Zusätzlich erfassten die Ärzte Erkrankungen der Augen, des Immunsystems, des Stoffwechsels, der Psyche sowie Krebs. Von 2007 bis 2012 untersuchten sie im Rahmen der Studie über 15.000 Personen aus einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe im Studienzentrum der Universitätsmedizin.

Dabei diagnostizierten die Ärzte bei 347 Studienteilnehmern – also etwa jedem 50sten – erstmals Diabetes. Für die vorliegende Untersuchung wertete Ponto bei diesen Teilnehmern Bilder des Augenhintergrundes aus. Sie stellte bei 13 Prozent von ihnen Netzhautschäden fest.

„Weltweit handelt es sich um die jüngste und größte Gruppe, deren Daten zu dieser Fragestellung ausgewertet wurden“, lautet ihre Bilanz. „Unsere Daten lassen vermuten, dass durch ein Diabetes-Screening die Erkrankung selbst und Schäden an der Netzhaut frühzeitig entdeckt werden können. Möglicherweise könnten schwere Komplikationen in Bezug auf begleitende Augenerkrankungen und ein Erblinden in einigen Fällen verhindert werden.“

Originalpublikation: 
Katharina A. Ponto, Jochem Koenig, Tunde Peto, Julia Lamparter, Philipp Raum, Philipp S. Wild, Karl J. Lackner, Norbert Pfeiffer, Alireza Mirshahi. Prevalence of diabetic retinopathy in screening-detected diabetes mellitus: results from the Gutenberg Health Study (GHS). Diabetologia (2016) 59:1913-1919.
DOI: 10.1007/s00125-016-4013-5

Quelle: Universitätsmedizin Mainz
Bildquelle: Jürgen Arlt

Category: Ehrungen, Medizin

Comments are closed.