IQWiG: Nutzen oder Schaden der OCT unklar

21. November 2016 | By More

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht derzeit, ob die optische Kohärenztomografie (OCT) Patienten mit feuchter (neovaskulärer) altersbedingter Makuladegeneration (nAMD) oder beim diabetischen Makulaödem Vorteile bietet (DMÖ). Es gehe, so die Pressemitteilung vom 18.11.2016, um drei relevante Fragestellungen: ob die OCT einen Nutzen zur Diagnose einer Netzhauterkrankung bringe, ob sich mit der OCT der Bedarf für Medikamenteninjektionen besser kontrollieren und steuern lasse und um einen Vergleich  verschiedener OCT-Anwendungsstrategien zur Therapiesteuerung. Die vorläufigen Ergebnisse dieser Nutzenbewertung lägen nun vor: Mangels Studien sei der Nutzen oder Schaden der OCT in der Erstdiagnostik von nAMD und DMÖ unklar, schreibt das IQWiG. Da keine Studie zum Vergleich unterschiedlicher Anwendungsstrategien von OCT vorlägen, bleibe auch hier Nutzen oder Schaden unklar.

Aus der einzigen randomisierten und kontrollierten Studie (RCT) zur Therapiesteuerung mit OCT plus Sehtest bei Patienten mit nAMD im Vergleich zum Sehtest allein ergebe sich ein Anhaltspunkt für einen Schaden: In der OCT-Gruppe seien mehr Nebenwirkungen aufgetreten  wie Knochenbrüche, Herzerkrankungen und Lungenentzündungen. Inwiefern die OCT dafür konkret verantwortlich sei, bleibe aber unklar. Hinsichtlich der Anzahl der Medikamenteninjektionen und der Sehschärfe ließe sich kein Unterschied zeigen. Zur OCT-gesteuerten Behandlung des DMÖ liege ebenfalls nur eine RCT vor: Dabei erfolgte in der Interventionsgruppe die Injektion eines Kortisonpräparats nur dann, wenn die OCT eine Behandlungsnotwendigkeit zeigte. Auch wenn die Anzahl der Injektionen geringfügig reduziert werden konnte, hätten sich keine Anhaltspunkte für einen Nutzen oder Schaden der OCT im Vergleich mit Injektionen in festen Abständen, also ohne OCT-Steuerung, gezeigt. Nutzen und Schaden der OCT in der Erstdiagnostik von nAMD und DMÖ sowie der Vergleich von verschiedenen OCT-Anwendungsstrategien seien unklar, weil sich keine Studien für diese Fragestellungen identifizieren ließen.

In der Gesamtschau über alle Untersuchungsziele und Endpunkte seien Nutzen und Schaden der OCT daher fraglich. Angesichts der breiten Anwendung der OCT in der deutschen Augenheilkunde habe dieses Ergebnis Stefan Sauerland, Ressortleiter Nichtmedikamentöse Verfahren beim IQWiG, überrascht: „Es gibt zwar weitere Studien, die zeigen, dass im Vergleich zu einem starren IVOM-Behandlungsschema ein flexibles diagnostisch gesteuertes Behandlungsschema vorteilhaft sein kann. Die Diagnostik in diesen Studien bestand aber aus einer Kombination mehrerer Methoden, sodass sich nicht feststellen lässt, ob wirklich die OCT für die Behandlungssteuerung notwendig ist, oder dafür die anderen Methoden ausreichen.“

Bis zum 16.12.2016 können interessierte Personen oder Institutionen zu diesem Vorbericht Stellungnahmen abgeben.

Quelle: IQWiG

Category: Diagnosetechologien, Medizin

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