Diabethisches Makulaödem im Therapiealltag

22. Mai 2017 | By More

Ein diabetisches Makulaödem (DMÖ) schränkt die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig ein. Schnelle Behandlungserfolge sind daher wichtig für die Motivation der Patienten und die Therapieadhärenz. Dank einer steigenden Anzahl von Therapieoptionen können Ärzte die Behandlung heute auf den jeweiligen Patienten abstimmen und die Belastungen möglichst reduzieren. Eine Orientierung bei der Auswahl der geeigneten Therapie geben zahlreiche Daten aus dem Praxisalltag. Vor diesem Hintergrund diskutierten Experten auf der diesjährigen Tagung der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD) in Düsseldorf[i] verschiedene Therapieansätze wie das Dexamethason-Implantat Ozurdex®[1].

„Diabetiker sind oft multimorbide Patienten“, betonte PD Dr. Helmut Sachs, Dresden. Kommt dann noch ein diabetisches Makulaödem (DMÖ) hinzu, schränkt das die Lebensqualität stark ein. Wie sehr, erläuterte Dr. Christian Mayer aus München: Bei keiner anderen chronischen Erkrankung, wie Asthma, Hypertension oder Diabetes selbst, ist der Einfluss auf die Lebensqualität so hoch wie bei DMÖ2. Ein Grund hierfür ist nicht zuletzt die hohe Behandlungsfrequenz aufgrund diverser Komorbiditäten des Diabetes: Bis zu 40 Arztbesuche jährlich sind die Regel.[ii]

Zudem haben viele Patienten Angst vor den Injektionen, verbunden mit Anspannungen oder Schlafproblemen vor dem Eingriff. Da erstaunt es nicht, dass „Betroffene sich weniger Injektionen bei gleichem Visusgewinn wünschen“, ergänzte Sachs und verwies dabei auf die Ergebnisse einer aktuellen Patientenbefragung.2

Im klinischen Alltag: anti-VEGF

Prof. Dr. Andreas Stahl, Freiburg, zeigte auf, dass im Therapiealltag die Injektionsfrequenz von anti-VEGF-Therapien mit 4 bis 5 Injektionen in 12 Monaten wesentlich niedriger als in klinischen Studien ausfällt.[iii] Über einen Zeitraum von bis zu 5 Jahren werteten er und seine Kollegen u.a. Daten zu DMÖ-Patienten aus, die in der Freiburger Klinik mit anti-VEGF behandelt wurden (n=332 Augen).3 Das Fazit seiner Untersuchungen ist, dass die Ergebnisse der Zulassungsstudien unter Real-Life-Bedingungen nicht erreicht werden. Zwar stieg im ersten Jahr der Visus zunächst um durchschnittlich etwa 5 Buchstaben an, fiel aber schon vor Jahresende wieder auf das Ausgangsniveau zurück.3 Gründe hierfür seien eine geringere Therapieadhärenz unter Praxisbedingungen, schlechter eingestellte Diabetiker oder stark fortgeschrittene DMÖ-Stadien.3

In der Untersuchung wirkte sich auch die Entfernung zwischen Wohnort und Klinik auf die Adhärenz aus: Je weiter weg der Patient wohnte, desto seltener kam er zur Behandlung. „Ein häufiges Problem sind zudem fehlende Begleitpersonen, auf die die Patienten bei Arztterminen oft angewiesen sind“, ergänzte Mayer.

Ergebnisse im Praxisalltag

Unter Ozurdex[2] lassen sich mit i.d.R. 2 Injektionen jährlich gute Visusgewinne erzielen – „eine effiziente Therapieoption für Patienten mit DMÖ“, so Prof. Dr. Albert Augustin, Karlsruhe. Bereits die zulassungsrelevante MEAD-Studie[iv] belegte Visusgewinne von durchschnittlich 6,5 Buchstaben bei pseudophaken Patienten (p≤0,018).

Real-Life-Studien[v],[vi] übertreffen diese Ergebnisse noch und zeigen, dass Verbesserungen von 7,6[vii] bis 16,5[viii] Buchstaben möglich sind: So kam es in einer prospektiven, longitudinalen Beobachtungsstudie über 18 Monate zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Ozurdex bereits ab Tag 7 zu signifikanten Visusverbesserungen.8 Die untersuchten 36 Augen mit DMÖ, davon 14 therapienaiv und 22 vorbehandelt (mit Laser), erzielten mit einer mittleren Anzahl von 1,8 Injektionen einen Visusgewinn von bis zu 16,5 Buchstaben. 59 % der Patienten erreichten während des Beobachtungszeitraums eine Verbesserung um ≥15 Buchstaben (kumulativ). Auch der Rückgang der Makuladicke war ab Tag 7 signifikant mit einer mittleren Reduktion nach 18 Monaten um -236,17 µm im Vergleich zur Baseline (p=0,0313).8

Mit Ozurdex stehe bei geeigneten Patienten eine wirkungsvolle Therapieoption in der routinemäßigen Anwendung zur Verfügung, so Augustin, wobei in der klinischen Praxis größere Visusverbesserungen[ix] als in der Zulassungsstudie4 möglich seien.

Ozurdex − wann & für wen?

Das DMÖ ist vor allem eine entzündungsindizierte Schrankenstörung, die – neben VEGF – durch zahlreiche Mediatoren verursacht und unterhalten wird. „Kortikosteroide wie das Dexamethason-Implantat wirken neuroprotektiv und antiinflammatorisch. Sie richten sich gegen eine Vielzahl von Entzündungsmediatoren und nicht nur VEGF“, gab Augustin zu bedenken. Insbesondere geeignete Patientengruppen profitieren von einem frühen Einsatz: z. B. Patienten mit Komorbiditäten, meist über 50 Jahre, solche mit unzureichender Adhärenz, schwieriger Umsetzbarkeit der Therapie im Alltag sowie mit kardiovaskulären Risikofaktoren.6

Wichtig, so Augustin, sei ein rascher Therapiebeginn, da ein lang währendes Ödem die Architektur der Netzhaut verändere. Dies bedeute aber auch, dass bei einem nicht-adäquaten Ansprechen auf anti-VEGF frühzeitig ein Therapiewechsel in Betracht gezogen werden sollte. Von Augustin vorgestellte Studiendaten belegen, dass sich bereits nach den ersten 3 anti-VEGF-Injektionen, also nach 12 Wochen, erkennen lässt, ob ein DMÖ-Patient auf die Therapie anspricht.[x] „Wenn ein Patient nach diesem Zeitraum noch keine nennenswerte Besserung aufweist, ist dies auch nach 3 Jahren nicht der Fall“, betonte der Experte. Dann wäre das Ödem allerdings weiter fortgeschritten, so dass es auch auf andere Therapieoptionen schlechter anspreche.

„Der Patient sollte immer individuell betrachtet und Ozurdex bzw. ein Therapiewechsel auch im frühen Therapieverlauf in Erwägung gezogen werden“, so Augustin abschließend.

Fazit

Sowohl Therapieadhärenz als auch Lebensqualität spielen in der Behandlung des DMÖ eine wichtige Rolle. Patienten wünschen sich vor allem einen hohen Visusgewinn bei möglichst wenigen Injektionen.2 Hier bietet das effektiv und lang anhaltend wirksame Ozurdex4 eine gute Therapieoption, die sich Dank der wenigen Injektionen auch gut in den Alltag integrieren lässt. Behandler sollten eine rechtzeitige Behandlung mit dem Kortikosteroid in Betracht ziehen, die direkt auf die vielfältigen entzündlichen Prozesse einwirkt. Denn eine effiziente Visusverbesserung ist gerade bei geeigneten Betroffenen oft zu beobachten.


[1] Ozurdex (Dexamethason 700 Mikrogramm intravitreales Implantat in einem Applikator) wird angewendet zur Behandlung von Erwachsenen mit einer Sehbeeinträchtigung aufgrund eines diabetischen Makulaödems (DMÖ), die pseudophak sind oder auf eine Therapie mit Nicht-Kortikosteroiden unzureichend ansprechen oder bei denen diese als unpassend angesehen wird. Zur Behandlung von Erwachsenen mit Makulaödem als Folge eines retinalen Venenastverschlusses oder retinalen Zentralvenenverschlusses. Zur Behandlung von Erwachsenen mit einer Entzündung des posterioren Augensegments, die sich als nicht infektiöse Uveitis darstellt. Vgl. Fachinformation Ozurdex, Stand März 2015.

[2] Wiederholungsbehandlungen können nach ungefähr sechs Monaten durchgeführt werden, wenn sich, sekundär zu einem rezidivierenden oder sich verschlechternden diabetischen Makulaödem, der Visus des Patienten verschlechtert und/oder die Netzhautdicke zunimmt.

[i]AAD-Symposium der Pharm-Allergan GmbH, Intravitreale Injektionen – Theorie & Praxis in der DMÖ-Therapie, Donnerstag, 16. März 2017, 12.15-13.45 Uhr, Düsseldorf.

[ii] Sivaprasad S et al. Clinical Ophthalmology 2016;10:939–946.

[iii] Wecker T et al. Br J Ophthalmol 2017; 101:353-359. doi:10.1136/bjophthalmol-2016-308668.

[iv] Boyer DS et al. Ophthalmology. 2014 Oct;121(10):1904-1914.

[v] Escobar-Barranco JJ et al. Ophthalmologica. 2015;233:176-185.

[vi] Malcles A et al. Safety of intravitreal dexamethasone implantat (Ozurdex): The SAFODEX study. Incidence and Risk Factors of Ocular Hypertension. Retina 2016 Oct 20.

[vii] Guigou S et al. J Fr Ophthalmol. 2014; 37(6):480-85.

[viii] Aknin I, Melki L. Ophthalmologica. 2016;235(4):187-188. doi: 10.1159/000446194. Epub 2016 May 12.

[ix] Fachinformation Ozurdex, Stand März 2015.

[x] Gonzalez VH et al. AJO 2016;172:72-79.


Quelle: Pharm Allergan

Category: Makula, Medizin

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